Workshop „Integration in Gemeinden: Berichte aus der Mediationspraxis in Österreich und Deutschland“

Je besser Integration gelingt, desto mehr Konflikte entstehen. Denn je mehr MigrantInnen integriert sind, desto eher wollen sie teilhaben und dazugehören. Sie hinterfragen soziale Privilegien und strukturelle Ungleichheiten. Verteilungs- und Interessenkonflikte können entstehen. So die Ausgangsthese von Kurt Faller, Mediator und Organisationsberater, zu Beginn des Workshops „Integration in Gemeinden: Berichte aus der Mediationspraxis in Österreich und Deutschland“ am 5. Juli in Wien bei der Mediationstagung „Konfliktmanagement in Österreich“.

Was können nun MediatorInnen anbieten, damit Integration vor Ort, in Gemeinden und Kommunen gelingt? Welche Modelle haben sie, um Konflikte konstruktiv zu bearbeiten? Der Workshop bot dazu zwei unterschiedliche Praxisbeispiele aus Deutschland und Österreich:

  1. Kommunales Konfliktmanagement in Nordrheinwestfalen, präsentiert von Kurt Faller

Ziel des seit 2017 laufenden Projekts ist es, interne Konfliktmanagementsysteme für den Integrationsbereich der Kommunen und Landkreise in Nordrheinwestfalen zu entwickeln. Dabei wurde – unter der Leitung von Initiator Doz. Kurt Faller – ein Ansatz gewählt, der kommunale Ressourcen in den Mittelpunkt rückt und die Konfliktfestigkeit vorhandener Strukturen stärkt. Das Projekt operiert daher auf drei Ebenen: erstens schafft es Instrumente zur Früherkennung und Vermeidung von Konflikten, zweitens Strukturen zur niedrigschwelligen Konfliktbearbeitung und drittens Verfahren, durch die Informationen zu Konfliktursachen und die Ergebnisse der Konfliktbearbeitung in systemische Veränderungen einfließen können. Träger des Projekts sind die landesweite Koordinierungsstelle der Kommunalen Integrationszentren und die Akademie der Ruhr-Universität Bochum. Als Fördergeber fungieren das deutsche Integrationsministerium und die Stiftung Mercator.

  1. Projekt Kompa (Konfliktprävention, Partizipation, Mediation) der Caritas Wien, präsentiert von Nadja Lehner

2015 ins Leben gerufen, dient das Projekt Kompa dazu, Konflikte zwischen Menschen mit Fluchthintergrund sowie Personen der österreichischen Aufnahmegesellschaft (z.B. Vereine, Initiativen, Freiwillige, Gemeinden, AnrainerInnen) zu bearbeiten und sie durch Begegnung und Teilhabe füreinander zu sensibilisieren. Bewusstseinsbildung auf beiden Seiten (z.B. in Workshops) aber auch Begegnungsanlässe (z.B. Offene Ateliers in Kooperation mit Museen,     Begegnungscafés, Dialoggruppen, Frauencafés) sollen Verständnis füreinander auf- und dadurch Spannungen abbauen. Bei akuten Konflikten unterstützen ausgebildete MediatorInnen des Projekts durch Beratung und Konfliktvermittlung

In der Diskussion mit den TeilnehmerInnen des Workshops zeigten sich einige Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den Projekten:

  • Die Einbeziehung vorhandener Ressourcen ist in beiden Projekten ein zentrales Prinzip: seien es die Kommunen, die im Falle Nordrheinwestfalens befähigt werden, Konflikte zu lösen oder aber z.B. geflüchtete Personen, die durch partizipative Ansätze aktiv an der Konfliktbearbeitung teilhaben – Empowerment spielt stets eine große Rolle.
  • Zusätzlich wurde klar, dass es externe Mediation geben muss, damit eventuell vorhandene Grenzen für interne Konfliktbearbeitung durch professionelle und allparteiliche ExpertInnen von außen ausgeglichen werden können.
  • Beide ImpulsgeberInnen betonten überdies, dass Prävention und Frühwarnverfahren wesentlich sind.
  • Ein zentraler Unterschied bestand im Zustandekommen der Projekte. Während das Integrationsministerium in Deutschland das Projekt top-down initiiert hat, scheint in Österreich – wie auch das Beispiel des Projekts Kompa zeigt – der Ansatz eines kleinteiligen Experimentierens vor Ort z.B. in einzelnen Städten oder durch einzelne Vereine vorzuherrschen.

Als Fazit aus dem Workshop lässt sich festhalten, dass Mediation einen überaus positiven Beitrag zur Konfliktbearbeitung im Integrationsbereich leisten kann, wenn…

  • Mediation bzw. mediative Elemente strukturell verankert werden,
  • Interne und externe Ressourcen (allparteiliches MediatorInnenpool) aufgestellt werden,
  • Konfliktbearbeitung um einen Fokus auf Konfliktprävention ergänzt wird,
  • sowie Betroffene selbst aktiv an der Lösung teilhaben können.

Auf Seiten der MediatorInnen selbst erfordert die Arbeit, wenn sie Erfolg haben will, eine achtsame Haltung, eine hohe Toleranz für Widersprüchen und Unstimmigkeiten, sowie das – zuweilen schwierige – Aushalten struktureller Konflikte.

Fotos: Astrid Reinprecht

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