Oft gestellte Fragen zu Mediation im öffentlichen Bereich

  1. „Wer zahlt schafft an.“ Gilt das auch für Mediation im öffentlichen Bereich? Kann der Geldgeber den Ausgang des Verfahrens bestimmen?

Was in allen anderen Mediationsbereichen gilt, gilt auch für die Mediation im Öffentlichen Bereich: die Mediatorin, der Mediator führt den Prozess völlig unabhängig vom Geldgeber und wird das bei der (sehr wichtigen) Auftragsklärung auch darlegen. Natürlich kann es vorkommen, dass es von Auftraggebern und Geldgebern eines derartigen Mediationsprozesses Begehrlichkeiten gibt, die aber von den Mediatoren in der Besprechung des Auftrages nachvollziehbar geklärt werden.  Dazu gehört auch den Rahmen zu klären, innerhalb dessen Lösungen möglich sind. (dieser Rahmen kann rechtlicher oder politischer Natur sein) Das Gelingen des Mediationsprozesses ist untrennbar mit der Unparteilichkeit des Mediators und dem Vertrauen, das die Konfliktparteien in diesen und den Prozess haben, verbunden. So wird unverzüglich geklärt werden, dass das Durchführen des Mediationsprozesses und sein Gelingen die  völlige Unabhängigkeit des Mediators bezüglich Gestaltung des Mediationsprozesses voraussetzt. Was diesbezüglich hilfreich ist, ist die Tatsache, dass der Mediator, die Mediatorin „nur“ den Prozess und das Verfahren gestalten und keinerlei Einfluss auf den Inhalt nehmen.

 

  1. Wie unterscheidet sich Mediation im Öffentlichen Bereich von anderen Mediationsbereichen?

Im öffentlichen Bereich gibt es durch die vielen Gruppierungen, Institutionen, Vereine und die Bürger, die alle unterschiedliche Interessen, haben ein Spannungsfeld, in dem durch Projekte, Prozesse oder sonstige Veränderungen schnell Konflikte auftreten können. Hier ist es wichtig zu klären, dass diese Konflikte normal sind, dass es kein „wahr“ oder „falsch“ gibt und dass Raum und Zeit geschaffen werden müssen um den Diskurs zu führen. Wer hier Parallelen zu anderen Mediationsbereichen sieht, hat recht, aber das betroffene Terrain ist weitaus größer, die Zahl der Teilnehmer ist zahlreicher und unübersichtlicher.  Daraus ergibt sich, dass, auch wenn Großgruppenprozesse durchgeführt werden, nicht alle, die Betroffen sind, erreicht werden können. So ist eine der Herausforderungen, dass die Teilnehmer am Konfliktbearbeitungsprozess eine gute Rückbindung zur Gruppe haben, die sie vertreten und die Delegierten uneingeschränkt das Vertrauen der Gruppe genießen.

Vertrauen, Transparenz, Perspektivenwechsel und ausreichende Informations- und Kommunikationsstrukturen können sicherstellen, dass die unterschiedlichen Konfliktpartner im Gespräch bleiben können. Das ist die  Voraussetzung für den Start eines Lösungsprozesses.  Hier braucht es dementsprechend im öffentlichen Bereich andere Instrumente, „größere“, als im „kleinen Setting“ der Mediation. Hier können gut Instrumente aus Prozess- und Projektmanagement zum Einsatz kommen.

Wie in obiger Frage besprochen, werden Mediationsprozesse im öffentlichen Bereich oft innerhalb eines Rahmens durchgeführt, der den Raum für Lösungsoptionen absteckt. Das bedeutet, dass es in diesen Prozessen keine Ergebnisoffenheit gibt, die sonst „übliche“ Mediationsprozesse kennzeichnet.

 

  1. Kann ein Projekt durch Mediation verhindert werden?

Mediation ist grundsätzlich kein Verhinderungsinstrument, außer es ist das Ziel eine Einigung über Realisierung oder Ablehnung eines Projektes zu verhandeln. So wurde z.B. im Jahr 2000 in Nantes alte Pläne zum Bau eines Flughafens im Osten der Stadt reaktiviert. Als es  zu  starken Protesten von Umweltverbänden und Bauern kam, wurde ein Mediationsverfahren eingeleitet Das Ergebnis nach  sechsmonatigem Verfahren  war das Aufgeben des Flughafenbaues.  Im Mediationsverfahren zur 3. Piste des Flughafens Wien, das 2005  nach 5 Jahren beendet wurde, ging es um die Themen  Wirtschaftlichkeit des Flughafens versus Lärmschutz der Bevölkerung(www.dialogforum.at).  In einer Mediation im öffentlichen Bereich wird verhandelt, was die Konfliktpartner als Themen und Ziele definieren und was im vorher definierten Rahmen möglich ist.

 

  1. Wann ist eine Mediation als erfolgreich zu betrachten?

Grundsätzlich ist es ein Erfolg einer Mediation, wenn die gemeinsamen Ziele zum Vorteil für alle erreicht werden, die Konflikte gelöst sind und die Konfliktparteien einen Vertrag über ihre Ergebnisse unterschrieben haben, der dann auch eingehalten wird. Aber so weit gedeihen oft derartige Verfahren im öffentlichen Bereich nicht und trotzdem kann in der öffentlichen Wahrnehmung eine große Verbesserung wahrgenommen werden, nämlich, dass die Konfliktparteien wieder ins Gespräch kommen, den Diskurs pflegen und eine neue Konfliktkultur entsteht. Dann war der Beginn eines Mediationsverfahrens und oft auch bereits der Einsatz von mediativen Strategien eine erfolgreiche, weil positiv verändernde  Intervention.

 

  1. Was sind mediative Strategien?

Mediative Strategien stellen sicher, dass Vertrauen, Transparenz und Perspektivenwechsel hergestellt werden, ebenso effektive und effiziente Kommunikationsstrukturen. Nicht immer kann im öffentlichen Bereich das Instrument der Mediation eingesetzt werden, aber  Vorgehensweisen, die auf aktuelle Konfliktsituationen angepasst sind und sich der  Werkzeuge aus dem Management und der Organisationsentwicklung  zur Intervention bedienen, sind zur Bearbeitung von Konflikten und Widerständen erfolgreich (Phillip Parzer, mediation aktuell 2/2013) .

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Christa Fischer-KorpAlle Beiträge von Christa Fischer-Korp

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