„Der Staat bin ich“ — Veranstaltungsrückblick

Von Christa Fischer-Korp am 12. November 2018 in Öffentlicher Bereich
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Im Juni und im November fanden in Salzburg zwei Workshops statt, die interessierten Mediatorinnen und Mediatoren, in Teil zwei auch Politikern, das Handwerkszeug für Mediation und mediative Prozessbegleitung im öffentlichen Bereich vermittelten und an realen Beispielen anwendeten.

Was passiert, wenn neue Projekte in Gemeinden realisiert werden sollen. Die Projektwerber, oftmals auch die politisch Verantwortlichen und diejenigen, die von dem Vorhaben profitieren, gehen voll Elan an die Umsetzung. Diejenigen, deren Ruhe und Lebensqualität gestört scheint, die sich zurückgesetzt, ohnmächtig, uninformiert, oft sogar getäuscht fühlen, zeigen oftmals passiven oder gar aktiven Widerstand.

Widerstände nähren sich von Misstrauen, Intransparenz und Ängsten, deshalb muss es vorrangig darum gehen, diese zu beseitigen.

Jetzt geht es für Projektwerber und die politisch Verantwortlichen, darum, dass Betroffene wieder Vertrauen haben, dass mit ihnen eindeutig kommuniziert wird und Informationen zur richtigen Zeit an die richtigen Personen kommen, was Transparenz herstellt. Da Widerstand auch Konflikt bedeuten kann, bewährt es sich nach den Prinzipien der Mediation als Konfliktlösung vorzugehen.

Das heißt die Situation zu analysieren, Interessen und Bedürfnisse hinter den Positionen sichtbar zu machen, Perspektivenwechsel zu bewirken, Machtungleichgewicht zwischen den einzelnen beteiligten Parteien auszugleichen, für Fairness zu sorgen und so den Weg für akzeptable Lösungen frei zu machen.
Aber mögliche Konflikte im öffentlichen Bereich sind nicht eins zu eins wie eine Konfliktsituation zwischen Einzelpersonen oder zwischen Teams zu behandeln.

Die wichtige erste Frage lautet, wie kann ich in so einem komplexen System, in dem sich oft auch einzelne Gruppen nicht homogen verhalten, analysieren und aus diesen Analysen dann einen Weg in Richtung Lösungen suchen.
Hier bewähren sich Instrumente aus dem Management, dem Projekt- und Prozessmanagement.
Die Teilnehmer arbeiteten mit diesen Werkzeugen an Praxisfällen, lernten Interventionstechniken kennen und erstellten für die bearbeiteten Beispiele funktionierende Kommunikations- und Informationsstrukturen. Sie konnten an ihren Ergebnissen sehen, wie effizient sich diese Instrumente einsetzen lassen um von Vertrauen, Transparenz und Perspektivenwechsel bis hin zu den ersten Schritten Richtung Lösungsfindung zu arbeiten ist.

Nach dieser Vorbereitung in Teil 1 ging es im zweiten Teil darum zum einen die anwesenden Mediatoren in ihrem Marketing zu unterstützen, zum anderen auch Politiker mit einzubeziehen. Gemeinsam wurde mit alternativen Mitteln daran gearbeitet, in schwierigen Projekten die Knackpunkte für Konfliktentstehung zu erkennen und durch dieses Erkennen frühzeitig andere Handlungsoptionen zu wählen.
Diese Methoden zeigten den Teilnehmern wo Informationsdefizite auftraten, wie sich die Unterschiede in den verschiedenen Systemen, die an einer Projektumsetzung beteiligt sind, auswirken können, wo Vertrauen verloren gehen kann und wie wichtig Perspektivenwechsel für alle Beteiligten ist.

Mediatoren vermittelten die Workshops Rüstzeug um ihre Qualitäten am Markt besser zu positionieren und auch in komplexen und schwierigen Situationen Prozesse im öffentlichen Bereich gut steuern zu können.
Teilnehmende Politiker bekommen ein gutes Bild davon, wie hilfreich Mediatoren mit ihrem Handwerkszeug für den öffentlichen Bereich sein können.

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