Interventionsmöglichkeiten bei Mediation im öffentlichen Bereich

Von Christa Fischer-Korp am 13. Februar 2018 in Öffentlicher Bereich
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Gerade auch bei Mediation im öffentlichen Bereich ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass Mediation über die bisher übliche Darstellung, sie sein ein Verfahren, weit hinausgeht. Wie auch der ÖBM (www.oebm.at) in seiner letzten Klausurtagung im Jänner 2018 festgestellt hat, ist Mediation eine professionelle Dienstleistung und zwar eine Dienstleistung, die Konflikte löst.

Im öffentlichen Bereich zeigt sich auch die Zweckmäßigkeit dieser Definition, denn mit einer professionellen Dienstleistung können Projekte und Prozesse über ihre vollständige Dauer begleitet werden und nicht „nur“, wie bisher von vielen von Konflikten im öffentlichen Bereich Betroffenen angenommen, sozusagen als interimistisches Konfliktbearbeitungsverfahren.

Rationale Überlegungen, Vertrauen, Transparenz, die Kenntnis über Interessen und Bedürfnisse, auch der anderen, gehen in Konfliktsituationen verloren. Es gibt keine Informations- und Kommunikationskanäle. Fairness geht verloren und es herrscht ein Gefühl der Ohnmacht. Das alles kann im öffentlichen Bereich in jedem Stadium eines Projektes oder Prozesses passieren, wenn diese nicht gut, weil ausreichend vorbereitet und begleitet werden. Der öffentliche Bereich zeichnet sich durch eine große Zahl von sehr unterschiedlichen Interessengruppen aus und ist deshalb ein Nährboden für die Entstehung von Konflikten. Dazu kommt noch, dass sich diverse Gruppen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Diskussionen, Verhandlungen und Konfliktaustragungen einmischen und Verläufe oder gar der Ausgang von Prozessen schwer einschätzbar ist. Das ist an sich kein Nachteil, weil Auseinandersetzungen und die Teilnahme daran für die Lebendigkeit und die Weiterentwicklung einer Gesellschaft notwendig sind.

Im öffentlichen Bereich, den die Gesellschaft widerspiegelt, braucht es Instrumente um Konflikte bearbeiten zu können. Das zeigt sich nicht nur in den Managementtools, die im öffentlichen Bereich effektiv als Analyse- und Detektorinstrumente einzusetzen sind (Stakeholderanalyse, SOFT-Analyse, GPRI-Modell), sondern auch in den Interventionstechniken, die gute Dienste leisten können, wenn es nicht mehr weiter geht.

Hier einige Beispiele dazu:

 

Die GRIT-Taktik:

Der amerikanische Psychologe Charles Osgood hat sie 1962 am Höhepunkt des kalten Krieges vorgeschlagen und sie wurde seither immer wieder erfolgreich eingesetzt. Dabei erklärt sich eine (Konflikt)Partei öffentlich, zu einer einseitigen Maßnahme bereit, die Spannungen abbauen kann und führt diese auch aus. Die andere Partei wird gebeten dasselbe zu tun. Bei Misserfolg wird das wiederholt.

Diese Taktik ist hervorragend geeignet verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.

 

Kleine Kreditangebote:

Bei dieser Interventionsform bietet die eine Seite der anderen ein Entgegenkommen an und teilt gleichzeitig mit, was sie sich als Ausgleich dafür wünscht.

Diese Intervention ist in verfahrenen Situationen äußerst hilfreich, weil Möglichkeiten für beide Seiten auf den Tisch gelegt werden und die beiden Parteien damit in jedem Fall wieder ins Gespräch kommen können.

 

Was ist sofort machbar?

Diese Methode hat zum Ziel eine gemeinsame Möglichkeit aufzutun, egal wie klein sie ist. Durch die gemeinsame Suche nach etwas, was sofort umgesetzt werden kann, wird ein festgefahrener Prozess wieder in Gang gesetzt. Den Parteien wird dadurch vor Augen geführt, dass sie sehr wohl zu gemeinsamen Lösungen kommen können.

 

Gemeinsame Suche nach Oberzielen:

Hier liegt die Bedeutung darin, die einzelnen Parteien von ihrer Überzeugung für ihre eigenen Ziele weg, zur Suche nach gemeinsamen (Ober)Zielen zu animieren. Es wird dadurch sichtbar, dass es etwas Gemeinsames geben kann.

 

Der zielführende Einsatz dieser Interventionen kann höchst effizient in einer Prozessbegleitung durch Mediatoren eingesetzt werden, weil andere Beteiligte und Betroffene durch eigenen Interessen dabei ein Handicap haben und daraus resultierend kein Vertrauen hergestellt werden könnte. Mediatoren verfügen auch über die notwendige Erfahrung, wann Interventionen notwendig werden und das Gespür für den richtigen Zeitpunkt.

 

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