Ausbildungserfordernisse in der Wirtschaftsmediation

Von J Girschik am 25. November 2017 in Mediation, Wirtschaft
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Formale Ausbildungserfordernisse für Wirtschaftsmediatoren

Es ist davon auszugehen, dass von einem Mediator/einer Mediatorin sowohl fachliche als auch persönliche und methodische Kompetenz zu erwarten ist. Der österreichische Gesetzgeber regelt  – wenn auch nur teilweise – vor allem den Aspekt der Methodenkompetenz, indem er vor theoretische Aspekte der Verhandlungsführung inhaltlich vorschreibt, praxisrelevante Erfahrungen erfahren keine konkrete inhaltliche Definition.

Das österreichische Zivilrechtsmediationsgesetz (ZivMediatG) sieht in §29 Mindeststandards für die Ausbildung von Mediatoren/Mediatorinnen vor; unterschieden wird dabei in einen theoretischen und einen anwendungsorientierten Teil. Die Bestimmungen lauten:

„Der theoretische Teil der Ausbildung ist, aufgegliedert nach einzelnen Ausbildungsinhalten, mit 200 bis 300, der anwendungsorientierte Teil mit 100 bis 200 Ausbildungseinheiten festzulegen. Es haben insbesondere zu umfassen

1. der theoretische Teil:

a) eine Einführung in die Problemgeschichte und Entwicklung der Mediation, einschließlich deren Grundannahmen und Leitbilder;

b) Verfahrensablauf, Methoden und Phasen der Mediation unter besonderer Berücksichtigung verhandlungs- und lösungsorientierter Ansätze;

c) Grundlagen der Kommunikation, insbesondere der Kommunikations-, Frage- und Verhandlungstechniken, der Gesprächsführung und Moderation unter besonderer Berücksichtigung von Konfliktsituationen;

d) Konfliktanalysen;

e) Anwendungsgebiete der Mediation;

f) Persönlichkeitstheorien und psychosoziale Interventionsformen;

g) ethische Fragen der Mediation, insbesondere der Position des Mediators;

h) rechtliche, insbesondere zivilrechtliche, Fragen der Mediation sowie Rechtsfragen von Konflikten, die für eine Mediation besonders in Betracht kommen;

2. der anwendungsorientierte Teil:

a) Einzelselbsterfahrung und Praxisseminare zur Übung in Techniken der Mediation unter Anwendung von Rollenspielen, Simulation und Reflexion;

b) Peergruppenarbeit;

c) Fallarbeit und begleitende Teilnahme an der Praxissupervision im Bereich der Mediation.“[1]

Die Vorgaben des österreichischen Zivilrechtsmediationsgesetzes definieren also lediglich Kompetenzen aus den Bereichen „Prozess“ und „Methode“.

Persönlichen und fachlichen Aspekten, die über Methodenwissen hinausgehen, kommen im Gesetz keine Bedeutung zu. Speziell im wirtschaftlichen Umfeld, in dem Konflikte oft von besonderer Komplexität gekennzeichnet sind,  erscheint eine umfassende Qualifikation des Mediators/der Mediatorin als essentiell. Der vom Zivilrechtsmediationsgesetz geforderte Qualifikationsnachweis erscheint für die Zwecke der Wirtschaftsmediation unzureichend. Eine Erweiterung der formalen Ausbildungserfordernisse um zu definierende Formen wissenschaftlicher Qualifikation aus dem Bereich Führung/ Konfliktbearbeitung wäre zu diskutieren.

 

Quellen

Bundesgesetz über Mediation in Zivilrechtssachen (Zivilrechts-Mediations-Gesetz – ZivMediatG) § 29 (2)

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